Prag – Städtepartnerschaft Brunsbüttel & Horni Počernice

Der heißeste Austausch aller Zeiten…

… war der Austausch in Zusammenhang mit der Städtepartnerschaft von Horni Počernice & Brunsbüttel 2018. Den Gästen aus einem Prager Vorort wurden in Brunsbüttel Temperaturen bis 30 Grad geboten.

Doch zunächst ging es damit los, dass die Brunsbütteler Schüler ihre Austauschpartner in Horni Počernice besuchten. Und die Aufregung stieg je näher wir Prag kamen. Zwar hatten sich alle Schüler schon länger und intensiv mit ihren Austauschpartnern in Tschechien ausgetauscht, aber persönlich hatte man sich eben noch nie gesehen und nun sollte man sich nicht nur sehen, sondern auch die nächsten 7 Tage und Nächte bei ihnen verbringen.

Im Hauptbahnhof von Prag wurden wir sehr herzlich empfangen und alle freuten sich ihre Partner nun kennen zu lernen. Wir fuhren nach Horni Počernice und der erste Abend in den Familien stand an. Am nächsten Tag startete das vielfältige Programm in Tschechien mit einer Fahrt nach Prag, es folgten weitere Ausflüge mit Besuchen der Prager Burg, des berühmten Prager Zoos, des Jugendzentrums etc. Nur zur Elbquelle konnten wir nicht wie geplant fahren, da das Wetter dort sehr schlecht war. Somit wurde es nichts mit einem Sprung über die Elbe. Dafür besuchten wir die Burg Karlstein und ein Bergwerk.

Die Zeit verging wie im Fluge und schon stand der Abschlussabend in Prag an. Es gab Aufführungen von deutscher und tschechischer Seite und war eine gelungene Sache auch wenn aufgrund der Rückfahrt am nächsten Morgen einige Tränen flossen.

Der Rückbesuch wurde wie bereits oben erwähnt sehr heiß. Nichtsdestotrotz hatten wir ein vielfältiges Programm vorbereitet: einen Stadtrundgang mit Stadterklärern, eine Fahrradrallye am Samstag (bei der engagierte Eltern einige Stationen übernahmen), einen „Mehr-Meer-Tag“ inklusive Wattwandern (bzw. Wattschlittern – siehe Foto) , einen Besuch der Seehundstation Friedrichskoog, einen Besuch des Eidersperrwerkes, einen Besuch des Multimar Wattforums, sowie einen Lübeck-Tag mit einem Stadtrundgang inklusive Erklärungen und einer Rundfahrt auf der Trave, einen Besuch des Unterrichts mit den Gastschülern, einen Besuch der Feuerwache sowie eine Abschlussfeier am letzten Abend.

Der Abschlussabend beinhaltete Einlagen der tschechischen Schüler sowie der deutschen Schüler, ein üppiges von den Eltern vorbereitetes Buffet sowie Musik von einem schulbekannten DJ. Das ganze fand in der von Eltern liebevoll dekorierten Pausenhalle des Gymnasiums statt. Auch hier wurde es am Ende des Abends emotionaler je näher der Morgen der Abreise rückte. Nach einem tränenreichen Abschied um 6:45 in Itzehoe auf dem Bahnhof war der 7te Austausch Geschichte und festzuhalten ist, dass viele Freundschaffen entstanden sind von denen vielleicht sogar einige weiter gelebt werden. Prag ist nur 1x Umsteigen und ca. 8 Bahnstunden entfernt. Insgesamt konnte man auch bei diesem Austausch beobachten und bekam man von den Eltern zurückgemeldet, dass er sehr förderlich für die Persönlichkeitsentwicklung war. Selbstvertrauen, Toleranz, Kommunikationskompetenz und vieles mehr konnte sich in diesen beiden kurzen Zeiträumen sehr gut weiterentwickeln. Wie gut der Schüleraustausch auch in den Familien angekommen ist, zeigt das Beispiel einer Schülerin, die zwar erst nach dem Sommer auf das Gymnasium kommen wird, die sich aber schon jetzt für den Austausch in 4 Jahren angemeldet hat.

MM


Nachfolgend ein älterer Bericht:

Frühstück – wie immer um 7.30 Uhr.

In einer Kinder – und Jugendbegegnungsstätte in Horní Počernice, der Partnerstadt Brunsbüttels, bereiten uns vor ihrer eigentlichen Arbeit die Erzieherinnen jeden Tag liebevoll ein leckeres Frühstück. Dann folgt – wie jeden Morgen – 8.30 die Bigbandprobe, 9.30 „Swing & Sing“ + Combo – Treff: Probenraum.

Wie? Heute nicht? – Nein, die Schichtgänger, die mit uns in der Herberge wohnen, dürfen nicht gestört werden. Also, gleich ab in die Sporthalle der Schule Jana Neuretovas, in der das heutige Konzert sowieso stattfinden soll. Das bedeutet, ‚mal wieder Musikinstrumente und Equipment routiniert in unserem Bus verstauen und anschließend vor Ort wieder auspacken. Dabei hatte unser Bandleader Daniel Faust am Abend zuvor akribisch eine reibungslose Probe für heute vorbereitet. Dennoch hilft „Meckern und Knurren“ überhaupt nicht. Wir packen alle ohne „Schnacken“ an: Verstärker, Lautsprecher, Kabelkisten, Mikrophonstative, E-¬Piano, das umfangreiche Schlagzeug und natürlich unsere wertvollen Instrumente. Und ab geht’s… Vor Ort angekommen, folgt die ganze Aktion rückwärts …, nämlich Ausräumen und Aufbauen …, alle schweigen voll Anspannung … oder auch ein bisschen Ärger(?), weil es für uns Musiker keinen notwendigen Übungsraum gibt. Bald können sich die Instrumentalisten jedoch einspielen, unsere Techniker agieren gekonnt, die Sänger ziehen sich für ihr Stimmtraining in einen Umkleideraum zurück. Man kann beobachten, wie nach enormen Anfangsschwierigkeiten ein schöner Chorklang entsteht, sehr selbstständig werden die Stimmeinsätze arrangiert und wird einander Mut gemacht. Der Bigbandsound klingt inzwischen großartig.

Um 12.00 Uhr füllen beinah 500 Schüler und Schülerinnen die Sporthalle, außerdem nehmen die Schulleitung, Mitglieder des Lehrerkollegiums und der Bürgermeister mit seiner Frau an diesem Konzert teil. Die Einleitung wird von Schülern und Schülerinnen einer 5. Klasse gestaltet. Als ein Geschenk für ihre deutschen Gäste tragen sie mit hübschen Stimmen drei Lieder in deutscher Sprache vor, die sie seit kurzer Zeit lernen. Eines davon ist „Dat du min Levsten büst“. Dann beginnt die Bigband. Der Sound ist umwerfend. Daniel Faust übernimmt das Baritonsaxophon. Ein Blick ins Publikum 1ässt an den Gesichtern und wippenden Füßen die erste Begeisterung erkennen. Frenetischer Applaus nach allen Stücken sorgt dafür, dass der Spaß auch bei den Musikern immer größer wird. Es ist Halbzeit. Swing and Sing stellt sich hinter die Mikrophone. Die Aufregung ist den neun Teenagern des Gesangsensembles anzumerken, haben sie doch keine Auftrittserfahrung.

Durch die Combo erhalten sie jedoch sichere Unterstützung, und, wie sich herausstellt, die Techniker haben mit ihrer Einstellung gute Arbeit geleistet. „First when there’s nothing“ aus Flashdance begeistert uns alle. Peter Hollmann strahlt mehr als Zufriedenheit aus. „I got rhythm“ macht riesigen Spaß, ebenso die Songs „Wochenend und Sonnenschein“ und ,,Freiheit“. Der Knoten ist geplatzt. Ich bin sehr stolz auf Sängerinnen und Sänger von Swing and Sing. Nachdem die Bigband ihr Programm souverän fortgesetzt hat, fordert das Auditorium mehrere Zugaben. Großes Lob folgt dann von allen Seiten, und wir sind alle unglaublich zufrieden.

Zum Mittagessen werden wir in die so genannte Schulküche eingeladen, wo sich für mich weitere Kontakte zu den tschechischen Lehrern ergeben, die Interesse an unserer Arbeit und Schu1e zeigen und wiederholt ihre Anerkennung aussprechen.

Der Nachmittag ist dann der Entspannung gewidmet. Ein Spaziergang durch ein kleines Freilichtmuseum und die schöne Landschaft – wenn heute auch einmal im sanften Regen ¬- lassen uns alle „loslassen“. Der Abend endet dann mit einem Highlight, konnten Peter Hollmann und ich zufällig Karten für ein Konzert eines Saxophonensembles direkt in Prag erstehen.

Im Jugendstilsaal unter dem bekannten „Cafe Europa“ genossen wir so einen Abend voll faszinierender Musik des „Czechisch Saxophon Quartetts“. Das war ein guter Tag in Prag.

Dorit Söhl