Ein Tag in Prag

Frühstück – wie immer um 7.30 Uhr.

In einer Kinder – und Jugendbegegnungsstätte in Horní Počernice, der Partnerstadt Brunsbüttels, bereiten uns vor ihrer eigentlichen Arbeit die Erzieherinnen jeden Tag liebevoll ein leckeres Frühstück. Dann folgt – wie jeden Morgen – 8.30 die Bigbandprobe, 9.30 „Swing & Sing“ + Combo – Treff: Probenraum.

Wie? Heute nicht? – Nein, die Schichtgänger, die mit uns in der Herberge wohnen, dürfen nicht gestört werden. Also, gleich ab in die Sporthalle der Schule Jana Neuretovas, in der das heutige Konzert sowieso stattfinden soll. Das bedeutet, ‚mal wieder Musikinstrumente und Equipment routiniert in unserem Bus verstauen und anschließend vor Ort wieder auspacken. Dabei hatte unser Bandleader Daniel Faust am Abend zuvor akribisch eine reibungslose Probe für heute vorbereitet. Dennoch hilft „Meckern und Knurren“ überhaupt nicht. Wir packen alle ohne „Schnacken“ an: Verstärker, Lautsprecher, Kabelkisten, Mikrophonstative, E-¬Piano, das umfangreiche Schlagzeug und natürlich unsere wertvollen Instrumente. Und ab geht’s… Vor Ort angekommen, folgt die ganze Aktion rückwärts …, nämlich Ausräumen und Aufbauen …, alle schweigen voll Anspannung … oder auch ein bisschen Ärger(?), weil es für uns Musiker keinen notwendigen Übungsraum gibt. Bald können sich die Instrumentalisten jedoch einspielen, unsere Techniker agieren gekonnt, die Sänger ziehen sich für ihr Stimmtraining in einen Umkleideraum zurück. Man kann beobachten, wie nach enormen Anfangsschwierigkeiten ein schöner Chorklang entsteht, sehr selbstständig werden die Stimmeinsätze arrangiert und wird einander Mut gemacht. Der Bigbandsound klingt inzwischen großartig.

Um 12.00 Uhr füllen beinah 500 Schüler und Schülerinnen die Sporthalle, außerdem nehmen die Schulleitung, Mitglieder des Lehrerkollegiums und der Bürgermeister mit seiner Frau an diesem Konzert teil. Die Einleitung wird von Schülern und Schülerinnen einer 5. Klasse gestaltet. Als ein Geschenk für ihre deutschen Gäste tragen sie mit hübschen Stimmen drei Lieder in deutscher Sprache vor, die sie seit kurzer Zeit lernen. Eines davon ist „Dat du min Levsten büst“. Dann beginnt die Bigband. Der Sound ist umwerfend. Daniel Faust übernimmt das Baritonsaxophon. Ein Blick ins Publikum 1ässt an den Gesichtern und wippenden Füßen die erste Begeisterung erkennen. Frenetischer Applaus nach allen Stücken sorgt dafür, dass der Spaß auch bei den Musikern immer größer wird. Es ist Halbzeit. Swing and Sing stellt sich hinter die Mikrophone. Die Aufregung ist den neun Teenagern des Gesangsensembles anzumerken, haben sie doch keine Auftrittserfahrung.

Durch die Combo erhalten sie jedoch sichere Unterstützung, und, wie sich herausstellt, die Techniker haben mit ihrer Einstellung gute Arbeit geleistet. „First when there’s nothing“ aus Flashdance begeistert uns alle. Peter Hollmann strahlt mehr als Zufriedenheit aus. „I got rhythm“ macht riesigen Spaß, ebenso die Songs „Wochenend und Sonnenschein“ und ,,Freiheit“. Der Knoten ist geplatzt. Ich bin sehr stolz auf Sängerinnen und Sänger von Swing and Sing. Nachdem die Bigband ihr Programm souverän fortgesetzt hat, fordert das Auditorium mehrere Zugaben. Großes Lob folgt dann von allen Seiten, und wir sind alle unglaublich zufrieden.

Zum Mittagessen werden wir in die so genannte Schulküche eingeladen, wo sich für mich weitere Kontakte zu den tschechischen Lehrern ergeben, die Interesse an unserer Arbeit und Schu1e zeigen und wiederholt ihre Anerkennung aussprechen.

Der Nachmittag ist dann der Entspannung gewidmet. Ein Spaziergang durch ein kleines Freilichtmuseum und die schöne Landschaft – wenn heute auch einmal im sanften Regen ¬- lassen uns alle „loslassen“. Der Abend endet dann mit einem Highlight, konnten Peter Hollmann und ich zufällig Karten für ein Konzert eines Saxophonensembles direkt in Prag erstehen.

Im Jugendstilsaal unter dem bekannten „Cafe Europa“ genossen wir so einen Abend voll faszinierender Musik des „Czechisch Saxophon Quartetts“. Das war ein guter Tag in Prag.

Dorit Söhl